Warum PowerPoint nicht zum Dateiaustausch taugt

26 05 2012

Ein beliebter Zeitvertreib im Internet scheint es zu sein, Bilder-Slideshows mit Hintergrundmusik im PPS Format per E-Mail an Freunde und Bekannte zu versenden. Ob eine E-Mail hierfür das geeignete Transportmedium ist, sei dahingestellt. Immerhin wurde dieses Format für reine Textnachrichten entworfen. Die RFC 5322 sagt hierzu „This document specifies a syntax only for text messages. In particular, it makes no provision for the transmission of images, audio, or other sorts of structured data in electronic mail messages.“ Dass MIME Erweiterungen existieren, bedeutet noch lange nicht automatisch, dass diese auch zweckmäßig für den Dateiaustausch sind.

Doch stellen wir uns die Frage, wie zweckmäßig es ist proprietäre Dateiformate für die Speicherung unserer Slideshow zu verwenden. Zunächst ein Zitat von Openformats.org: „Wir wollen ein Dateiformat als proprietär bezeichnen, wenn der Modus mit dessen Hilfe die Daten präsentiert werden und dessen Spezifikation nicht öffentlich verfügbar sind. Proprietäre Formate werden von Softwarefirmen entwickelt, um Daten an ihre Anwendungen zu binden: nur Programme, die von Softwarefirmen veröffentlicht werden, die auch im Besitz der Spezifikationen sind, können die Daten korrekt und vollständig auslesen. […] Der Besitzer eines solchen Patents kann anschließend Patentgebühren für die Implementierung des Formats in andere Programme verlangen.

Bei .pps handelt es sich also um ein von Microsoft erschaffenes Dateiformat, für das sie das alleinige Recht besitzen, dieses in ihren Programmen zu verwenden. Dieses Format wird in den Microsoft Office PowerPoint Programmen bis einschließlich zur Version 2003 eingesetzt, ab Version 2007 wurde OpenXML mit der Extension .ppsx eingeführt, das zwar das „Offen“ im Namen trägt, trotzdem wieder einen Microsoft Alleingang darstellt.

Das .pps Format ist also Eigentum einer einzigen Firma, Microsoft. Möchte man derartige Dateien nutzen, ist der Anwender also gezwungen, Programme dieser Firma einzusetzen, die natürlich teuer bezahlt werden wollen. Aktuell verlangt der Softwarekonzern für eine aktuelle Version von PowerPoint stolze 189 Euro. Ganz unabhängig von dem Preis ist zu bedenken, dass es die MS Office Produkte ausschließlich für Microsoft Windows (also wieder eine Bezahl-Software des gleichen Konzerns) oder Mac (eine Bezahl-Software eines noch übleren Konzerns) gibt. Besitzer anderer Betriebssysteme bleiben außen vor.

Nun mag man anmerken, dass auch LibreOffice in der Lage ist, dieses Dateiformat zu öffnen. Ja, könnte man antworten, muss dabei allerdings wissen, dass die Unterstützung hier nie hundertprozentig sein kann, da es sich um eine eigene Software handelt, die eben nicht versucht das Microsoft-Produkt bis ins Detail nachzubilden. Von daher ist immer mit Inkompatibilitäten bei einigen Sonderfunktionen zu rechnen.

Dann gibt es noch den PowerPoint Viewer für Linux Systeme, der eine möglichst exakte Wiedergabe von PowerPoint Dateien sicherstellen sollte. Der Pferdefuß ist allerdings, dass es sich um keine native Linux-Software handelt, sondern lediglich die Windows-Software mit dem Windows Compatibility Layer WINE „irgendwie“ zum Laufen gebracht wird. Alleine die mit Wine mitgelieferten Windows-Bibliotheken haben in einem sauberen Linux System aber überhaupt nichts verloren, da sie das System nicht nur unnötig aufblähen, sondern im schlimmsten Fall die Systemstabilität negativ beeinflussen.

Was also tun? Ganz einfach, man verwendet KEINE proprietären Dateiformate! LibreOffice beispielsweise verwendet das OASIS Open Document Format for Office Applications, einen quelloffenen Standard für Dateiformate, den jeder Entwickler einsehen und in seiner Anwendung verwenden kann. Da bereits LibreOffice eine OpenSource Anwendung ist kann diese kostenfrei auf Windows, Mac OS X sowie den verschiedensten Linux und Unix-Derivaten eingesetzt werden.

Doch warum überhaupt Bilderslideshows in solch eine Datei packen, wenn man diese eh Online versenden möchte? Da macht es doch viel eher Sinn, die Grafiken gleich Online zu stellen. Grafikviewer gibt es mehr als genügend, sowohl gehostete Dienste wie Flickr oder Photobucket, als auch fertige Skripte zum Selbst-Hosten.

Möchte man Hintergrundmusik in seiner Slideshow haben, ist auch das möglich. Mit dem HTML5 <AUDIO> Tag ist man hierfür noch nicht einmal mehr auf Flash angewiesen. Die SlideshowBox liefert ein schönes Beispiel hierfür. Ganz unabhängig davon ist eine PowerPoint Präsentation ohnehin nicht das geeignete Format, um Multimediainhalte einzubinden. Multimediadateien werden lediglich verlinkt und beim Abspielen an das entsprechenden Multimedia-System des abspielenden Systems weiter gereicht. Unterstützt dieses den entsprechenden Codec nicht, wird verständlicherweise auch nichts wiedergegeben.

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