Facebook: Der Fake mit der Fanseiten-Umstellung

14 10 2012

Sie ist einfach nicht totzubekommmen, die Falschmeldung in der sich Facebook-Mitglieder brüskieren, Mr. Zuckerberg habe seine Fanseiten derart umgestellt, um endlich arme Mitglieder ungezügelt abzocken zu können. Den Text sieht man in verschiedenen Varianten, ähnelt aber ungefähr immer diesem hier:

ACHTUNG!

Anscheinend hat Facebook die Fanseiten umgestellt, so dass Euch nicht mehr alle Beiträge erreichen, die von uns gepostet werden. Facebook macht das, damit man für eine größere Reichweite der Beiträge Kohle locker machen darf (als Betreiber der jeweiligen Seite, so wie wir das sind). Deshalb bitte folgendes bei Euch ein
stellen, um trotzdem alle Beiträge von […] zu bekommen:

1. Oben rechts das kleine Zahnrad anklicken
2. Auf „Zur Interessenliste hinzufügen“ klicken
3. „Neue Liste“ anlegen, wenn ihr noch keine habt
es kann nicht sein das man bei FB für seine Seiten auch noch Kohle zahlen soll.

Gut, wenn ihr keine Kohle zahlen wollt, dann lasst es doch einfach. Oder verlasst besser gleich Facebook komplett. Alternativen gibt es genug, ihr als User seid das Kapital des Unternehmens. Wenn ihr abwandert, macht es die Konkurrenz vielleicht besser.

Ganz so böse wie hier behauptet, ist Facebook dann allerdings doch nicht. Als Seitenbesitzer bekommt man zwar in der Tat das Angebot, seine Beiträge für Bares an ein größeres Publikum zu senden, aber das ist nur ein Zusatzangebot. Tatsächlich wurden diese bisher aber auch immer schon nur an einen geringen Prozentsatz der „Follower“ gesendet.

Stellen wir uns den User Heinz-Herbert bei Facebook vor. Heinz-Herbert hat 500 Freunde und bei noch einmal so vielen Seiten auf „Gefällt mir“ geklickt. Würde er jetzt von diesen insgesamt 1.000 Stellen sämtliche Nachrichten erhalten, würde er irgendwann in einem Wust aus Meldungen ersticken. Schreibt jeder von diesen 1.000 Kontakten 10 Meldungen am Tag (dazu gehören auch Statusmeldungen und ähnlich uninteressanter Quatsch), würden 10.000 Meldungen am Tag durch Heinz-Herberts Timeline flutschen. Damit das nicht passiert, wird ihm von jedem Kontakt nur ein bestimmter Prozentsatz in seiner Timeline angezeigt. Auf den Seiten selbst sieht er natürlich trotzdem alles, was jemals gepostet wurde.

Wie viel vom jeweiligen Freund oder der Seite angezeigt wird hängt immer von der Interaktion mit diesem bzw. dieser ab. Schreibt Heinz-Herbert mit Ingelore ständig im Chat, kommentiert die Beiträge, klickt den Daumen, dann sieht er ihre Meldungen deutlich häufiger als die von Diethelm, mit dem er ansonsten nichts zu tun hat. Das Angebot von Facebook besteht nun also darin, einen neuen Artikel der Seite „Suppen-Schneider“ nicht nur wie bisher vielleicht 10% der Fans anzuzeigen, sondern diesen Prozentsatz deutlich zu erhöhen. Man kauft sich also mehr Views für seinen Beitrag. Da wurde allerdings nichts umgestellt, die Funktion, dass Texte immer nur einem geringen Prozentsatz der Fans angezeigt wird war schon immer so. Es handelt sich also um ein neues, kostenpflichtiges Zusatzfeature.

Der Tipp, eine Interessensliste für Fanseiten anzulegen ist zudem vollkommen unsinnig. Dieses Feature ist bei Twitter abgekupfert und soll Ordnung in die Vielzahl der Seiten bringen, die man im Laufe seines Facebook-Lebens mit einem „Gefällt mir“ adelt. Auf https://www.facebook.com/addlist können wir eine neue Liste erstellen, sagen wir mal „Vegane Metzgereien“ und schieben uns hier die passenden Händler rein. Dann dürfen wir den Namen vergeben und noch die Sichtbarkeit auf privat, sichtbar nur für Freunde oder offen für alle einstellen. Schon haben wir im Seitenmenü unter „Interessen“ unsere erste Liste, in der uns nur Beiträge der gerade gewählten Seiten angezeigt werden. Klicken wir künftig bei einer Seite auf „Gefällt mir“, können wir ab sofort auch gleich noch die Liste wählen, in der die Seite landen soll.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass wir jetzt sämtliche Beiträge der Seiten in unserer Timeline sehen. Im Gegenteil, wir müssen sogar noch explizit in die Liste rein schauen, was ich zumindest ganz gerne vergesse (wenigstens dürfen wir die Listen auch zu unseren Favoriten hinzufügen). Damit hätte sich dann also der gewünschte Erfolg des Seitenbetreibers ins Gegenteil gekehrt. Von daher wären Listen durchaus sinnvoll zur Sortierung, jedoch in dem beschriebenen Zusammenhang eher als kontraproduktiv anzusehen.

Der Hintergedanke mag gewesen sein, dass in einer Liste mit begrenztem Umfang an enthaltenen Seiten deutlich mehr Beiträge der einzelnen Seiten aufgeführt sind. Ob das tatsächlich so ist müsste man überprüfen, vorstellen kann ich mir das deshalb nicht, weil sich Facebook damit das eigene Geschäftsfeld kaputt machen würde. Der Prozentsatz der beim User angezeigten Meldungen einer Seite dürfte sich wenn überhaupt nur marginal erhöhen.

Update 30.10.2012:
Da es schon einige Reaktionen auf diesen Artikel gab nun eine kurze Aktualisierung. Diesen hatte ich grundsätzlich deshalb geschrieben, weil mich die ständigen Aufrufe in Facebook nervten. Das was ich schrieb beruhte hauptsächlich auf Vermutungen, die ich in der Zwischenzeit versucht habe, etwas zu verifizieren.

Zunächst zum Aufruf selbst. In diesem wird zwar meist kurz und bündig erklärt, man solle die Seite in eine Liste aufnehmen, was es damit auf sich hat und welche Vorteile diese bietet bleibt allerdings für den unbedarften Nutzer im Dunkeln. Und genau diesem unterstelle ich auch, selbst wenn er es schafft eine solche zu erstellen, wird die Liste über kurz oder lang in Vergessenheit geraten und die Aktion damit ad absurdum geführt.

Grundsätzlich stimmt es tatsächlich. Wenn ich eine Liste erstelle und dort eine Seite rein packe, wird mir von dieser deutlich mehr angezeigt als in meiner normalen Timeline. Oder sagen wir, so ist das bei dem Durchschnitts-User. Trotzdem gebe ich denjenigen nicht Recht, die behaupten, eine Liste wäre die Wunderwaffe. Habe ich nämlich nur bei 10 Seiten (ich rede jetzt der Einfachheit halber von Seiten, dazu würden aber eigentlich auch die Freunde zählen) „gefällt mir“ geklickt, dann wird mir auch in meiner Timeline deutlich mehr von jeder einzelnen Seite angezeigt, als wenn ich Fan von 10.000 Seiten bin. Macht Sinn, wie ich hier bereits erklärt habe. Denn sonst würde ich ersticken in einem Wust von Meldungen. Es ist grundsätzlich also eine gute Funktion von Facebook, mir mehr Inhalte von den Seiten anzuzeigen, mit denen ich in aktiver Kommunikation stehe. Natürlich fühlen sich dann auch viele benachteiligt. Interessieren mich also wirklich 10.000 Seiten, dann müsste ich die alle in eine Liste packen – und siehe da, je mehr Seiten ich in meiner Liste habe, desto weniger wird mir wieder von jeder Einzelnen angezeigt, hier greift also genauso der Algorithmus wie in der Timeline. Wer mir das nicht glaubt, soll es einfach ausprobieren und nicht einfach das Gegenteil behaupten. Um das zu umgehen könnte ich mir 1.000 Listen anlegen, dann hätte ich in jeder Einzelnen wieder mehr Updates von jeder Seite. Ob das Sinn macht? Zur Sortierung in einem gewissen Umfang sicherlich, deshalb nutze ich Listen persönlich auch ganz gerne. Um alle Updates zu sehen? Ich bleibe bei meinem „Nein“ und behaupte auch, dass ich gar nicht wirklich alles sehen möchte.

Was ist nun mit der Aussage, dass durch die gesponserten Artikel kaum mehr kostenlose Updates angezeigt werden? Dazu möchte ich einfach fragen, auf was für Seiten ihr eure Likes verteilt? Bis heute ist mir nicht eine(!) einzige bezahlte Meldung untergekommen. Sicherlich, zum allergrößten Teil gefallen mir unkommerzielle Seiten, von daher bleibe ich glücklicherweise verschont davon. Wenn es euch nervt, dann entzieht doch einfach den Seiten euren Daumen, die sich die Leserschaft kaufen. Klar, wenn von meinen 10.000 Seiten 500 dabei sind, die sich andauernd meine Aufmerksamkeit erkaufen werden die restlichen 9.500 nicht kommerziellen Projekte in den Hintergrund gedrängt. Aber da muss einfach jeder selbst wissen, was ihn selbst interessiert. Denn steuern könnt ihr das immer noch selbst. Auch das Netzwerk, auf dem ihr euch aufhaltet gibt euch niemand vor. Warum seid ihr überhaupt auf Facebook, wenn ihr mit deren Geschäftsgebaren nicht einverstanden seid? Alternativen gibt es wirklich zur Genüge.

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4 responses

25 10 2012
sunnyromy

Reblogged this on SunnyRomy.

27 10 2012
Rüdiger Becker

Sorry, das halte ich für völligen Blödsinn. Facebook hat selbst auf irgendeiner seiner Seiten kürzlich ausführlich dazu Stellung genommen und bestätigt, dass die Praxis bei den Fanseiten verändert wurde. Und ich stelle es bei mir selbst auch fest: seit einigen Wochen erscheinen viele Postings der von mir abonnierten und mit „Gefällt mir“ gebuchten Seiten nicht mehr auf meiner Startseite, während sie in meinen daraufhin angelegten Interessenlisten komplett zu finden sind. In diesen Listen finde ich etwa 4x so viele Beiträge wie auf meiner Startseite. Von Hoax kann also überhaupt keine Rede sein. Woher beziehen Sie denn Ihre Erkenntnisse?

29 10 2012
ToastMX

Ach du meine Güte, wie Facebook an seinen Prioritäten schraubt weißt du doch nicht, das ist allgemein schwer zu ermitteln.

Aber dass jetzt bei der zunehmenden Anzahl gesponserter und hervorgehobener Posts die Aufmerksamkeit vom wirklich relevanten Content weg zu den gepushten Sachen geht. Ist doch klar. Da wird mit wertvoller Aufmerksamkeit gehandelt. Einem knappen Gut.

Ich hab da kein Bock drauf, und will mir das langfristig nicht geben. Ich mein wie schlimm wäre es 1 Euro pro Monat zu zahlen? Gar nicht schlimm. Völlig vernünftig, und das würde das Facebook Budget schon vervielfachen.

Dann würde mam auch von der Facebook Ware zum Kunden werden. Wir Nutzer sind nämlich nicht die Kunden von Facebook wird sind die Ware.

Der nächste Punkt wäre noch die Monopolstellung von Facebook. Ist eure Phantasie wirklich so eingeschränkt dass ihr euch nicht einen von Konkurrenz geprägten Netzwerk Markt vorstellen könnt? Man kann schließlich auch von Telekom bei Vodafone anrufen. Und das ist auch gut so und wichtig.

Liebe Grüße
ToastMX

30 10 2012
Sn Cn

Klares Jein zu allem. Während die Liste-mich-Postings nervig und kurz gedacht sind und die Argumente gegen jede Liste absolut stimmig sind, geht es hier nicht um Fake: http://www.jeffdoak.com/facebook-quietly-destroys-half-the-value-of-your-brand-page-overnight/

Mögliche Reaktionen darauf:
– Seitenbetreiber zahlen für Posts, deren Verbreitung ihnen wichtig ist.
– Seitenbetreiber schaffen Content, den man gern gefälltmirt, kommentiert und teilt.
– Nutzer Säubern ihre Gefällt-mir-Listen von Quark und von Firmen, denen sie mal gegen ein iPad-Versprechen ihr „Gefällt mir“ gegeben haben und schaffen so Platz für guten Content in den Newsstreams ihrer Freunde.
– Rausgehen, eine Bratwurst essen und ein eigenes, geiles Netzwerk erfinden.

Eine Reaktion, die überhaupt nichts bringt:
– Fans mit Copy-Paste-Liste-Mich-Postings nerven, die sowieso nur die zu sehen bekommen, die die News der Seite zu sehen bekommen. Weil um Gottes Willen ja kein Geld für Facebook ausgegeben werden soll, das wäre ja Werbung.

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